Kinderbehandlung
Informatives
- Besonderheiten von Milchzähnen (Milchzahnmorphologie)
Milchzähne sind keine kleinen bleibenden Zähne. Es gibt anatomische Unterschiede zwischen Milchzähnen und bleibenden Zähnen, die für die Behandlung von Bedeutung sind.
Der Zahnschmelzmantel der Milchzähne ist an keiner Stelle dicker als 1 mm. Bleibende Zähne dagegen haben einen fast doppelt so dicken Schmelzmantel. Deshalb wird der Zahnschmelz der Milchzähne sehr viel schneller von der Karies durchbrochen als der, der bleibenden Zähne.
Die Markkammern (Pulpakammern) der Milchzähne sind relativ größer, und die Pulpenhörner liegen näher an der Außenflächen.
Die benachbarten Zahnflächen im Zahnzwischenraum der Milchbackenzähne (Milchmolaren) sind flächig und breit, eine ideale Nische für Bakterien und Plaque.
- Wie viele Milchzähne gibt es und wann brechen sie durch?
Das Milchgebiss besteht aus 20 Zähnen. Es setzt sich aus acht Schneidezähnen, vier Eckzähnen und acht Backenzähnen (Molaren) zusammen. Diese brechen nacheinender im Laufe der ersten drei Lebensjahre durch.
Mit 6 – 12 Monaten brechen zunächst die Schneidezähne durch, mit 12 – 18 Monaten folgen die 1. Backenzähne, die Eckzähne zeigen sich mit 18 – 24 Monaten und mit 24 – 36 Monaten schließen die 2. Backenzähne den Zahndurchbruch ab. Das vollständige Milchgebiss bleibt bis zum 6. Lebensjahr erhalten, danach wird es durch bleibende Zähne ergänzt und etwa bis zum 13. Lebensjahr schrittweise durch die bleibenden Zähne ersetzt.
Die Milchzahnwurzeln werden von den bleibenden Zähnen abgebaut, deshalb fallen nur die Milchzahnkronen aus.
- Wie entsteht Karies?
Der Ausdruck Karies bedeutet Verfall organischen Gewebes.
Karies ist eine zuckerabhängige Infektionskrankheit, die die Erkrankung der Zahnhartgewebe (Schmelz und Dentin) hervorrufen kann. Zunächst müssen allerdings die Karies verursachenden Bakterien (Streptokokkus mutans, Lactobazillen) in den Mund übertragen werden. Die Übertragung erfolgt durch Speichelkontakt hauptsächlich von den Bezugspersonen auf das Kind z.B. durch Ablecken von Löffel, Schnuller, Saugen an der Flasche, beim Küssen etc.
Karies kann immer dort entstehen, wo sich Zahnbelag (Plaque) entwickelt. Plaque ist ein Bakterienrasen, in dem sich Kariesbakterien richtig wohl fühlen. Nach 2 – 3 Tagen ist dieser Bakterienrasen sichtbar. Er ist gelb. Löcher treten bevorzugt an kariesempfänglichen Stellen auf. Diese Stellen sind nicht sauber, dazu gehören z.B. Fissuren, Grübchen und/oder flächige glatte Flächen im Zahnzwischenraum. Die Kariesbakterien produzieren jedes Mal, wenn wir Zucker essen, eine Säure, die die Zahnoberfläche so lange angreift, bis ein Loch entsteht.
- Warum müssen Milchzähne behandelt werden?
Milchzähne sind keineswegs unnütz und sollten deshalb so lange wie möglich erhalten werden. Kinder benötigen ihre Milchzähne, um richtig essen und sprechen zu können. Die Milchzähne sorgen für ein strahlendes Kinderlächeln, erhalten den nötigen Platz für die bleibenden Zähne und beugen schief stehenden Zähnen vor.
Unbehandelte Löcher können sehr schmerzhaft für die Kinder sein. Schmerzen sind immer ein Zeichen für eine fortgeschrittene Entzündung, die zur Vereiterung des Kieferknochens und zur Schädigung der bleibenden Zähne führen kann (Schmelzhypoplasien, Turner – Zähne). Wenn Zähne mit unbehandelten Löchern vorzeitig entfernt werden müssen, können Durchbruchsverzögerungen der bleibenden Zähne die Folge sein.
Behandlung
- Der Zahnarztbesuch
Gestalten Sie den Tag des Zahnarztbesuchs frei von Belastungen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind ausgeruht ist. Vermeiden Sie beruhigend gemeinte Worte wie „du brauchst keine Angst zu haben, das ist nicht schlimm oder es tut nicht weh“. Ob eine Zahnbehandlung weh tut oder nicht, ist im Voraus schwer zu sagen. Jedes Kind ist anders und empfindet anders. Da Kinder aber gerne wissen möchten, ob es weh tut, antworten Sie lieber „ja, es kann sein, dass Du etwas spürst – z.B. ein Kribbeln, Drücken oder Rattern.“
- Diagnostik
Wir führen die Kinder schrittweise an eine Behandlung heran. Eine genaue Bestandsaufnahme hilft uns das Kariesrisiko zu ermitteln und eine Behandlung individuell und gezielt planen zu können. Dabei kontrollieren wir das Gebiss auf Zahnanzahl, den Zustand vorhandener Füllungen, die Oberflächenstruktur (kariesempfängliche Stellen), Engstände und Rotationen, die Bisslage etc. Ferner erhalten wir Angaben über das Ernährungsverhalten, die Putzgewohnheiten und Fluoridanwendungen Ihres Kindes.
In einigen Fällen ist es sinnvoll ein Röntgenbild zu erstellen. Wir fertigen dann entweder ein Detailbild (Zahnfilm, Bißflügelaufnahme) von einem speziellen nicht einsehbaren Zahnzwischenraum an oder wir fertigen eine Übersichtsaufnahme (OPG) an, um die Zahnentwicklung zu analysieren, ausgedehnte Entzündungsprozesse darzustellen und Krankheiten auszuschließen.
Neben der konventionellen Röntgentechnik verwenden wir ebenso gerne die sog. Fiberoptik – Transillumination (FOTI). Dabei werden verdächtige Zahnzwischenräume mit einer modernen Kaltlichtsonde durchleuchtet. So können Schmelz – und Dentinkaries voneinander unterschieden werden.
- Örtliche Betäubung:
Da die Kinder eine möglichst schmerzfreie Behandlung erleben sollen, werden umfangreichere Behandlungen in örtlicher Betäubung durchgeführt. Die Betäubungsmittel wirken sehr schnell, die Wirkungsdauer ist individuell verschieden. Nach einer örtlichen Betäubung fühlt sich die Lippe so ähnlich an wie z.B. ein „eingeschlafener Arm“ oder ein „eingeschlafenes Bein“, die aber nach einiger Zeit wieder aufwacht.
Bitte achten Sie nach der Behandlung darauf, dass sich Ihr Kind nicht in die Lippe beißt.
- Hypnose
Hierbei versuchen wir die Aufmerksamkeit Ihres Kindes von der Zahnbehandlung wegzulenken, indem wir absichtlich verwirrende und lustige Geschichten erfinden, bei denen Ihr Kind entspannen kann.
- Vollnarkose
Eine Behandlung in Vollnarkose zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung ist möglich bei Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr und bei Kindern bis zum 12. Lebensjahr, bei denen in erfolglosen Behandlungsversuchen eine mangelnde Kooperationsbereitschaft des Kindes festgestellt und dokumentiert wurde.
Füllungsmaterialien
In unserer Praxis stehen verschiedene Werkstoffe zur Versorgung von Milchzähnen und bleibenden Zähnen zur Verfügung, die voll oder anteilig von den Krankenkassen bezahlt werden. Welche Füllungsmaterialien zum Einsatz kommen, wird im Einzelfall entschieden.
- Amalgam
Diesen Werkstoff setzen wir generell nicht im Milchgebiss ein.
Das Bundesgesundheitsamt hat im Herbst 1992 die Empfehlung herausgegeben, Amalgam bei Kindern unter sechs Jahren nicht mehr einzusetzen.
- Glasionomerzement (GIZ)
Wir setzten GIZ wegen seiner Materialeigenschaften als provisorisches Füllungsmaterial oder zum Zementieren von Milchzahnkronen ein.
- Kompomere
Die Kompomere sind zur idealen Amalgamalternative im Milchgebiss herangereift. Sie sind eine Kombination aus Komposite (Kunststoff) und Zement.
Der zahnfarbene Werkstoff eignet sich für die Versorgung von Löchern im Front – und Seitenzahnbereich.
- Komposite (Kunststoff)
Um erfolgreich eine zahnfarbene und sehr zeitaufwendige Kompositefüllung im Milchgebiss legen zu können, benötigen wir ein übersichtliches trockenes Arbeitsfeld, das Anlegen von Kofferdam und die ausreichende Kooperation Ihres Kindes. Es lassen sich durchaus längerfristige Erfolge mit diesem Werkstoff im Milchgebiss erzielen, die morphologischen Unterschiede zu bleibenden Zähnen bleiben jedoch bestehen. Deshalb haben wir uns entschieden, die zahnfarbenen Kompositefüllungen nur an bleibenden Zähnen durchzuführen.
Dieser Werkstoff wird von der Krankenkasse nur anteilig bezahlt.
- Fissurenversiegelung
Die Fissurenversiegelung reduziert kariesempfängliche Stellen, da Löcher bevorzugt an unsauberen Stellen auftreten wie z. B. an stark zerklüfteten Fissuren der Backenzähne oder an Grübchen der Schneidezähne. Vor der Versiegelung wird die Oberfläche des Zahnes geätzt. Die Versiegelung erfolgt mit fließfähigen Kunststoffen, die gehärtet und anschließend in der Höhe kontrolliert werden müssen. Danach wird der Zahn fluoridiert. Bis gefährdete Zähne komplett durchgebrochen sind, sollten diese regelmäßig fluoridiert werden.
- Milchzahnkronen
Die silberfarbenen Stahlkronen kommen immer dann zum Einsatz, wenn ein Zahn stark kariös zerstört ist und der Aufbau des Zahnes mit herkömmlichen Werkstoffen nicht mehr möglich ist.
Bei den vorgefertigten Stahlkronen handelt es sich um eine Nickel – Chrom – Legierung.
Diese Leistung wird von der Krankenkasse bezahlt.
- Lückenhalter
Ein Lückenhalter ist immer dann sinnvoll, wenn ein Milchzahn vorzeitig verloren geht und der Durchbruch des bleibenden Zahnes noch mehr als ein Jahr beträgt. Ob ein herausnehmbarer oder festsitzender Lückenhalter angefertigt werden soll, muss individuell entschieden werden. Der Lückenhalter sollte spätestens drei Wochen postoperativ eingegliedert werden.
Ein herausnehmbarer Lückenhalter wird von der Krankenkasse bezahlt, ein Festsitzender nicht.
Vorsorge
- Individualprophylaxe
Wir bieten individuelle Prophylaxe für Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren an. Diese umfasst das Anfärben der Zähne, Bestimmung des Plaque – und Gingiva – Blutungs – Index, Mundhygieneinstruktionen, Fissurenversiegelung und Fluoridierung. Auf Wunsch führen wir eine Ernährungsberatung mit einem Ernährungstagebuch durch.
Alle Prophylaxeleistungen werden von der Krankenkasse zweimal jährlich bezahlt, Wunschleistungen nicht.
- Schwangerschaft
Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft macht einige werdende Mütter anfälliger für Karies und Zahnfleischbluten. Sie sollten deshalb in der Schwangerschaft regelmäßig Vorsorgetermine wahrnehmen und eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen, um das Bakterienspektrum im Mund der Mutter niedrig zu halten.
- Kleinkinder
Das Bakterienspektrum im Mund der Mutter beeinflusst das Vorkommen bestimmter Bakterien im Mund der Kinder. Die Karies verursachenden Bakterien (Streptokokkus mutans, Lactobazillen) müssen mehrfach in den Mund des Kindes übertragen werden. Dies erfolgt durch Speichelkontakt z.B. durch Ablecken von Löffel, Schnuller, Saugen an der Flasche etc.
Wenn es gleichzeitig dazu kommt, dass die Kinder regelmäßig zuckerhaltige Lebensmittel essen oder trinken, können die Kariesbakterien jedes Mal eine Säure produzieren und die Zahnoberfläche so lange angreifen, bis ein Loch entsteht.
- Frühkindliche Karies – Nuckelflaschenkaries (Nursing – Bottle – Syndrom)
Die frühkindliche Karies tritt bei Kindern bis zum 6. Lebensjahr auf und beschreibt die kariöse Gebisszerstörung der Milchzähne durch dauerhaftes Nuckeln zucker – oder säurehaltiger Getränke. Wussten Sie, dass der Milchzuckergehalt der Muttermilch zwischen 5% und 10% beträgt? Stillen wird deshalb bis zum 9./10. Lebensmonat empfohlen, da danach bereits die ersten Milchzähne durchgebrochen sind.
Die kariöse Gebisszerstörung beginnt an den Oberkieferschneidezähnen und greift auf das restliche Milchgebiss über. Die kariös zerstörten Milchzähne bereiten den Kindern Schmerzen, Kiefervereiterungen und einen reduzierten Allgemeinzustand mit Fieberschüben.
- Fluoride
Wir empfehlen die Milchzähne ab dem Durchbruch des ersten Zahnes mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinder – Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid einmal täglich zu putzen. Am besten abends vor dem Schlafen gehen.
Ab dem zweiten Lebensjahr bis zum 6. Geburtstag sollten die Zähne zweimal täglich mit jeweils einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinder – Zahnpasta (500 ppm) geputzt werden. Am besten nach dem Frühstück und vor dem Schlafen gehen.
Die Junior – Zahnpasta mit 1000 – 1100 ppm Fluorid ist für Kinder ab dem 6. Geburtstag bis zum vollendeten 11. Lebensjahr geeignet, da das Milchgebiss durch bleibende Zähne ergänzt und schrittweise ersetzt werden.
Fluoride helfen den Säureangriff kariesverursachender Bakterien ab zu schwächenden und den Zahnschmelz der Zähne zu härten.
- Ernährung
Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund gibt Informationen und Empfehlungen für die Ernährung von Mutter und Kind, von Säuglingen und für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen unter www.fke-do.de heraus.


